Minimaler Wohnraum – maximal effizient genutzt: Das sind die Vorgaben für die sogenannten Tiny Houses, die immer beliebter werdenden Häuser im Kleinformat. Diese Wohnidee ist nicht nur bei den rund 16,8 Millionen Singles in Deutschland angekommen. Auch unter den circa 9,7 Millionen kinderlosen Paaren finden Tiny Houses reichlich Freunde, insbesondere bei Paaren, bei denen beide einer Karriere nachgehen.
Es liegen diesbezüglich keine umfassenden Statistiken vor. Allerdings gibt es Zahlen aus dem Verkauf von Fertighäusern. Denen folgend, werden Fertighäuser zu etwa 20 Prozent von Paaren ohne Kinder oder Kinderwunsch gekauft. Immerhin 10 Prozent der Hauskäufer sind Singles.
Was sind Tiny Houses?
Downsizing nennen es die US-Amerikaner und meinen damit das Verkleinern von Wohnfläche auf eine komfortable Größe von unter 93 m2. In Europa werden Häuser mit einer Grundfläche von weniger als 80 m2 der Kategorie Tiny House zugeordnet. So wie auch in den USA, so sind diese Häuser nicht überall willkommen und werden nicht in jeder Gemeinde genehmigt. Zumeist kommt von den zuständigen Bauämtern der Hinweis, ein Tiny House würde am vorgesehenen Bauplatz das Gesamtbild stören, weil drumherum ausschließlich normale Häuser stehen. Überdies besitzen originale Tiny House Räder und können quasi wie ein Wohnwagen an jeden belieben Ort transportiert werden. In Deutschland ist es ratsam und teils zwingend erforderlich, die Räder zu demontieren.

Die größte Herausforderung für Tiny-House-Besitzer, vor allem in Deutschland, besteht darin, dass die Eigentümer eigentlich nicht legal in einem Tiny House wohnen können, solange dieses auf Rädern steht. Das deutsche Meldegesetz schreibt vor, dass jeder Bewohner einen Wohnsitz anmelden muss, dieser aber nicht auf der Straße sein darf.
Offenes Wohnen im Tiny House
Beim Tiny House wird die klassische Raumaufteilung von Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer schlicht außer Acht gelassen. Vielmehr wirken diese Winzighäuser wie ein kompaktes Einzimmer-Apartment, nur eben mit eigenem Garten und einem eigenen Dach. In der Regel gibt es kein Wohnzimmer. Eine kleine Küche, eher eine Kochnische, ist optisch abgeteilt und öffnet sich in ein Esszimmer, welches zugleich als gemeinschaftlicher Wohnraum, teils sogar als Arbeitszimmer zugleich genutzt wird. Statt eines Schlafzimmers gibt es Multifunktionsmöbel wie ein Schrankbett oder eine ausklappbare Schlafcouch. Oder das Bett wird nach oben verlegt. Dazu reicht eine halb in den Raum ragende Zwischendecke, die über eine Treppe erreichbar ist. Romantiker lassen in die Dachschräge ein Fenster einbauen, um aus dem Bett heraus Mond und Sterne beobachten zu können.
Kosten und Unterhalt eines Kompakthauses
Die Vorteile beim Tiny House beginnen mit den Baukosten, denn diese sind im Vergleich zu herkömmlichen Eigenheimen sehr gering. Dies liegt nicht nur an der geringen Größe, sondern auch an den fehlenden Wänden, Türen sowie der Heizungsanlage im Kleinformat. Überdies eigenen sich Tiny Houses exzellent für die Installation eines Kachelofens. Kachelöfen und sogar Kamine sind gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV), respektive Gebäudeenergiegesetz (GEG) ausdrücklich erlaubt, solange es sich beim Tiny House um eine Einraumwohnung handelt. Über einen Kachelofen lässt sich ein solch kleines Haus effizient mit wohliger Wärme füllen und die beheizte Sitzbank gibt es obendrein frei Haus.
Holzbauweise oder Effizienz-Haus
Obwohl diese Kompakthäuser sehr wohl auch nach herkömmlicher Bauart mit gemauerten Wänden errichtet werden, zeigt der Trend, dass Holz bevorzugt wird. Insbesondere die Rahmenbauweise mit Holzbohlen wird favorisiert, was einem Tiny House ein Ambiente wie aus einem Märchen verleihen kann. Da die Wandflächen relativ klein sind, lassen sich diese gut hochwertig dämmen, sodass recht einfach die Richtlinien der KfW für Effizienzhäuser erfüllt werden, solange keine Mindestwohnfläche verlangt ist. Dies gilt ebenso für die Wärmedämmung des Daches, wobei sich hier zwei Wege etabliert haben.

Gründächer beim Tiny House bevorzugt
Mit einem Giebeldach wirkt ein Tiny House besonders niedlich, denn es kommen dem Betrachter zwangsläufig Vergleiche mit Häusern aus diversen Märchen in den Sinn. Zudem lassen sich in die Dachschrägen gut Fenster einfügen, die für reichlich Licht im Inneren sorgen. Allerdings zeigt sich ein Trend, denn immer häufiger werden Kompakthäuser mit leichter Dachschräge gebaut, um die Dachfläche anschließend zu begrünen. Sogar Gewächshäuser werden den Kompakthäusern aufs Dach gesetzt, was den alternativen Lebensstil der Bewohner noch deutlicher nach außen transportiert. Allerdings hat die Dachbegrünung auch ihren Sinn und Vorteile. Begrünte Dächer sind erwiesen überaus energiesparend, denn im Winter schützen sie tadellos vor der Kälte. Und im Sommer halten sie die Räume kühl, wobei vor allem die Verdunstungskälte hier ihren Beitrag leistet.
Einbaumöbel einplanen
Der Trick bei einem Tiny House ist, bei der Bauplanung bereits die Möbel zu integrieren. So entstehen hochgradig zweckmäßige Räume, die auf wenigen Quadratmetern alles das bieten, was bei großflächigen Häusern üblich ist. Hier wird viel bei der Konstruktion von Caravans, Wohnmobilen und Jachten abgeschaut, weshalb einige Kompakthäuser eine gewisse Ähnlichkeit mit Wohnschiffen nicht verleugnen können.
Multifunktionelle Raumnutzung
Wer ein Tiny House bauen will, der sollte sich klar darüber sein, dass darin nur wenig mit konventionellem Wohnen zu tun hat. Es ist eher ein dreidimensionales Wohnen, bei dem auch die Raumhöhe so weit als möglich genutzt wird, beispielsweise durch das Bett auf der Zwischendecke. Arbeitet der Eigentümer im Home-Office, steht der PC dort, wo auch gegessen, gespielt und die Zeitung gelesen wird. Insofern bedarf es reichlich Flexibilität, um sich in einem Tiny House rundum wohlzufühlen.

Dafür belohnt diese Art zu wohnen mit viel Behaglichkeit, ist ungemein sparsam im Unterhalt, fördert bei Paaren das Miteinander und ist obendrein nachhaltig. Allerdings sind diese Kompakthäuser kaum für Familien geeignet, denn sie bieten Kindern keinen Platz zur Entfaltung. Deshalb ist es angeraten, dass Kompakthäuser ausschließlich von Paaren ohne Nachwuchs und von Singles bewohnt werden.
Arbeiten im Tiny House
Du möchtest Dir zuhause ein eigenes Büro einrichten, hast aber keinen Platz im Haus – dafür aber einen großen Garten? Dann ist ein Tiny House als Mobile Office eine gute Lösung für Dich. Mit einem Tiny House schaffst Du einen separaten Arbeitsbereich und kannst gleichzeitig nah bei Deiner Familie sein. Darüber hinaus bietet ein Tiny House im Garten eine inspirierende Arbeitsumgebung abseits der üblichen Ablenkungen des Haushalts: Du gestaltest Deinen Arbeitsplatz ganz nach Deinen Wünschen und genießt die ruhige Atmosphäre im Garten.
Tiny Office im Garten:
Effizient arbeiten und Steuern sparen
Die Anschaffungskosten, Heizkosten und Einrichtung sind als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich absetzbar. Voraussetzung ist die ausschließliche Nutzung des Tiny Houses als Arbeitszimmer, ohne dass während der Arbeitszeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Zudem muss das Tiny House ganzjährig nutzbar sein, was durch eine entsprechende Dämmung und Heizung möglich ist.
Tiny House als Firmensitz
Auch für Selbstständige und Klein-Unternehmer ist ein Tiny House eine flexible und kostensparende Möglichkeit, den Firmensitz im eigenen Garten einzurichten. Ausgestattet mit Internetanschluss, Heizung und Dämmung sowie einem Besprechungszimmer, Teeküche und Sanitäranlage hat Dein Tiny Office alles, was Du brauchst, um darin ganzjährig und effizient zu arbeiten.
Unterwegs mit dem Tiny House
Ein Tiny House ermöglicht es Dir, mit Deinem Haus auf Reisen zu gehen, wann und – vorausgesetzt, ein Stellplatz ist vorhanden – wohin Du willst. Ob Freunde besuchen oder fremde Länder entdecken: Du hast Dein eigenes Haus immer dabei, voller Komfort und Zuhause-Feeling inklusive.
Darüber hinaus ist das Reisen mit einem Tiny House oft kostengünstiger als das Übernachten in Hotels oder Ferienwohnungen, da Du es unterwegs auf Stellplätzen und Campingplätzen abstellen kannst.
Voraussetzung für Dein Reiseabenteuer
Bereit für die Straße
Damit Du mit Deinem Tiny House auf Reisen gehen kannst, braucht es eine gültige Straßenzulassung und das Gesamtgewicht des Hauses von 3,5t darf nicht überschritten werden. Mit unserem Tinyhouse mit einem Gesamtgewicht von 3,4t benötigst Du dann nur noch ein passendes Zugfahrzeug und einen Führerschein Klasse BE (Anhängerführerschein) bzw. alte Klasse 3 und das Abenteuer kann beginnen.
Unterwegs mit eigener Versorgung
Mit einer Verbrennertoilette sowie separaten Frischwasser- und Abwassertanks bist Du unterwegs so autark wie mit einem Wohnwagen. Die Stromversorgung stellt Du mit einem 230 Volt Anschluss oder auch Solarpaneelen sicher.
Moderne Wohnkultur für Singles und kinderlose Paare – das Tiny House im Fazit
Wer die baubehördlichen Steine aus dem Weg geräumt hat, kann auch in Deutschland in einem Tiny House alternatives Wohnen erleben. Diese Art des Eigenheims erfüllt eigentlich alle Forderungen der Umweltschützer und der Regierung im Hinblick auf die CO₂-Reduktion. Tiny Houses sind nachhaltig, lassen sich leicht in hochgradig energieeffizienter Bauweise ausführen, sie reduzieren die bebaute Fläche im Vergleich zum normalen Eigenheim und sind obendrein komfortabel zu bewohnen. Und die Eigentümer eines Tiny Houses können sich beim Bauen und beim Unterhalt über geringe Kosten freuen.
