Gastbeitrag von Günter Beierke, Becatur

Genau an dieser Stelle entsteht oft ein falsches Bild. QNG bedeutet nicht, dass völlig neue Bauweisen oder ausschließlich ökologische Produkte erforderlich sind.
Viele der heute bereits eingesetzten Baustoffe können auch in QNG-Projekten weiterhin verwendet werden. Entscheidend ist nicht das Produkt allein, sondern die erforderlichen Produktnachweise und Dokumentationsunterlagen.
- Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?
- Welche Produkte sind geeignet?
- Welche Nachweise werden benötigt?
- Entstehen Mehrkosten?
- Und wer übernimmt im Unternehmen die Verantwortung für die Umsetzung?
Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb oft nicht auf der Baustelle, sondern in der Organisation des Projektes.
Nachhaltiges Bauen verändert Abläufe, Zuständigkeiten und Entscheidungsprozesse. Was früher im laufenden Bauprozess nachgesteuert werden konnte, muss heute deutlich früher geklärt werden.
Für Bauträger und Bauunternehmen bedeutet das: QNG sollte bereits in der Projektvorbereitung mitgedacht werden. Ausschreibungen, Produktvorgaben, Nachweisanforderungen und Verantwortlichkeiten sollten frühzeitig abgestimmt werden. Werden diese Themen erst während der Bauphase erstellt, entstehen schnell Zeitdruck, Rückfragen und unnötige Unsicherheit.
Wichtige Fragen sind daher:
- Wer fordert Produktnachweise an?
- Wer prüft die Unterlagen?
- Wer gibt Materialien frei?
- Wer hält die Dokumentation zusammen?
- Und wie werden Anforderungen aus einem Nachhaltigkeits-Bewertungssystem in den normalen Bauablauf integriert?

Dazu gehören zum Beispiel Sicherheitsdatenblätter, technische Datenblätter, Emissionsnachweise, Umweltproduktdeklarationen oder weitere produktbezogene Unterlagen.
Für Bauträger und Bauunternehmen entsteht daraus ein konkreter Nutzen. Sie erhalten mehr Sicherheit bei der Produktauswahl, eine bessere Grundlage für Ausschreibungen und eine klarere Struktur für die spätere Nachweisführung.

Viele Projekte werden derzeit zurückgestellt, weil unklar ist, ob sie QNG-fähig sind oder welcher Aufwand tatsächlich entsteht. Dabei zeigt die Praxis häufig, dass viele Gebäude näher an den QNG-Anforderungen liegen als zunächst angenommen.
Gleichzeitig stehen bei der Schaffung von Mietwohnraum attraktive Fördermöglichkeiten sowie steuerliche Sonderabschreibungen zur Verfügung, sofern die jeweiligen Anforderungen an klimafreundliches und nachhaltiges Bauen erfüllt werden.

In Zusammenarbeit der hagebau mit der Becatur Beratungsgesellschaft für nachhaltiges Bauen kann ein solcher QNG-Nachhaltigkeits-Check kostenlos angeboten werden.

QNG scheitert in der Praxis selten an einem einzelnen Baustoff. Häufig scheitert es an zu später Klärung, fehlenden Zuständigkeiten oder Unsicherheit im Prozess.
Wer diese Punkte früh strukturiert, macht nachhaltiges Bauen deutlich planbarer. Damit wird QNG nicht zur zusätzlichen Belastung, sondern zu einer Chance: für mehr Qualität, klarere Abläufe und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bauträgern, Bauunternehmen, Baustoffhandel und Auditoren.
Der Weg zur QNG-Zertifizierung
Grundvoraussetzung für das QNG ist die Zertifizierung mit einem registrierten Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen. Die Bewertung geschieht dabei entsprechend den Systemregeln der Bewertungssysteme.
Auch wenn sich die Systeme und deren Nachweisführung voneinander unterscheiden, liegt allen bei der DAkks (Deutschen Akkreditierungsstelle) registrierten Bewertungssystemen ein einheitliches Nachhaltigkeitsverständnis zugrunde.





