Dachdecker führen ein sehr traditionelles Handwerk aus. Gleichzeitig beeinflussen neue Techniken sowie Vorschriften diese Branche regelmäßig. Ganz aktuell sind der erhöhte Sanierungsbedarf sowie die verstärkte Nachfrage von Dachgeschossausbauten. Der gesteigerte Bedarf an Dachrenovierungen ist auch auf die geänderten EU-Regulierungen zurückzuführen, die höhere Ansprüche an die Energieeffizienz von Gebäuden stellen, wovon auch Dächer betroffen sind.
Arbeitssicherheit für Dachdeckerbetriebe
Die Sicherheit bei der Arbeit auf dem Dach spielt eine zentrale Rolle im Arbeitsalltag der Dachdecker. Der Fachausschuss Arbeits- und Unfallschutz hat sich dem Thema angenommen und gemeinsam mit der Innung Hessen einen Ordner zusammengestellt. Dieser „Sicher auf dem Dach“ Ordner enthält eine Zusammenstellung von Maßnahmen, die den Arbeitsschutz von Dachdeckern betrifft. Die Zusammenstellung basiert sowohl auf den staatlichen Vorgaben als auch den berufsgenossenschaftlichen Leitsätzen. So wurden die wichtigsten Informationen an einem Ort zugänglich gemacht, was als Fachlektüre eine gute Grundlage in den Dachdeckereien ist, denn der Ordner hilft bei der Umsetzung von aktuellen Arbeitsschutzmaßnahmen.
Neu für die Branche ist die App digitGB, die von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft erstellt wurde. Diese App ist für die Verwaltung von Baustellen konzipiert und stellt einen Plan zur Gefährdungsbeurteilung bereit. So lässt sich Schritt für Schritt die Baustelle beurteilen. Die App gibt die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen vor, sodass alle Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt werden. Obendrein dient diese digitale Hilfe als Dokumentation. Die App ist für unterschiedliche Gewerke verfügbar und beinhaltet auch eine Gefahrenbeurteilung, die speziell auf die Arbeiten der Dachdecker zugeschnitten ist.
Richtlinien für Steil- und Flachdächer
Zum Grundwissen für Dachdecker gehören die Richtlinien für Steil- und Flachdächer. Diese werden vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) herausgegeben. Sie sind ergänzend zu den DIN-Normen zu beachten.

Jeder Dachdeckerbetrieb benötigt also eine aktuelle Fassung dieser Richtlinien. An beiden Vorgaben werden regelmäßig Veränderungen vorgenommen. So wurde die Flachdachrichtlinie sowohl 2019 als auch 2020 erweitert. In den Vorgaben sind außerdem hilfreiche Skizzen vorhanden, mit denen die Umsetzung von aktuellen Bauvorgaben in der Praxis möglich ist.
Bei Flachdächern gilt weiterhin die Abdichtungsnorm DIN 18531. Die aktualisierte Flachdachrichtlinie legt unter anderem fest, dass ein Mindestgefälle von zwei Prozent eingehalten werden soll. Nur im Ausnahmefall und mit einer stichhaltigen Begründung ist es möglich, dieses Gefälle zu unterschreiten. Durch die Vorgabe eines Mindestgefälles soll gewährleistet werden, dass Staunässe auf dem Flachdach Beschädigungen an der Bausubstanz verursacht.
Regelwerk für normgerechte Dachränder
Die genauen Vorschriften für Dachränder sind in der DIN 18531-1 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen“ festgehalten. Darüber hinaus gibt der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) die Fachregeln für Abdichtungen und für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk heraus. Bei diesen Normen und Regeln kam es in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl an Veränderungen und Neuerungen. Für Dachdecker ist es wichtig, sich mit diesen Veränderungen zu befassen, um bei den Bauvorschriften und den auszuführenden Arbeiten immer auf dem aktuellen Stand zu sein.
Die technischen Vorschriften regeln unter anderem Situationen, in denen unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen. Gerade bei Dachrenovierungen treten solche Szenarien recht häufig auf. Durch präzise Vorgaben und die genaue Umsetzung dieser lassen sich Folgeschäden vermeiden. Die Einhaltung der Normen ist für Dachdecker wichtig, um spätere Mängelanzeigen aufgrund nicht eingehaltener, rechtsgültiger Bauvorschriften und Normen zu vermeiden.

Inzwischen ist der Dachdecker auch in der Nachweispflicht, was Statik und Berechnung betrifft. Bei der Erstellung von Dachrandprofilen und Dachrandabdeckungen gilt es, die erforderliche Halteranzahl präzise zu kalkulieren. Die technischen Vorschriften finden sich in den Hinweisen zur Lastermittlung der ZVDH oder in der Tabelle 27 der ZVSHK-Klempnerfachregel für die Bemessung von Wind- und Windsoglasten. Dachdecker sind verpflichtet, die Berechnungsgrundlage im Einzelfall nachzuweisen. Gleiches gilt für die statischen Nachweise für alle Arbeiten, die unter die Fachregeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk fallen. Nachweisdokumente sind in diesem Fall vorgeschrieben, was unter Umständen zusätzliche Dienstleistungen eines Statikers erfordert.
Für Dachdecker ist es wichtig, die aktuellen Regelungen zu kennen und auch entsprechend umzusetzen. So lassen sich Baumängel verhindern, die im Nachhinein teuer werden können und geeignet sind, den Ruf des Handwerksunternehmens zu schädigen.
Vorteile der Digitalisierung im Dachdeckerbereich
Die Digitalisierung verändert auch ein so handwerklich geprägtes Metier wie die Dachdeckerbranche. Dabei fungiert die digitale Technik in erster Linie als sinnvoller Helfer, der Arbeitszeit spart oder dabei hilft, das vorhandene Material effektiver einzusetzen.
Ein gutes Beispiel für die digitale Innovation im Dachdeckerbereich ist der Einsatz von Drohnen für die Inspektion von Dächern. Die Bestandsaufnahme gehört bei der Sanierung von Dächern zu den ersten Aufgaben. Mit einer Drohne lässt sich dies schnell und sicher vom Boden aus erledigen. Gerade bei hohen Gebäuden und schwer zu inspizierenden Dächern ist dies eine enorme Erleichterung, die oftmals den Aufbau eines Gerüsts erspart. Die Drohne kann jeden Winkel des Dachs erreichen und speichert die Aufnahmen in digitaler Form, was eine spätere Auswertung am Computer erlaubt.

Wichtig zu wissen ist, dass seit Anfang 2021 ein EU-Drohnenführerschein benötigt wird, um ein solches Fluggerät zu operieren. Dachdecker, die auf solche Technik zurückgreifen wollen, benötigen in den meisten Fällen den großen EU-Drohnenführerschein. Dieser berechtigt es, Drohnen in einem Abstand von unter 150 Metern zu Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäuden zu operieren. Mit dem großen EU-Drohnenführerschein ist außerdem die Gewichtsbeschränkung von maximal 2.000 Gramm aufgehoben, denn es dürfen Fluggeräte bis zu einem Gesamtgewicht von 4.000 Gramm eingesetzt werden.
Die Digitalisierung schreitet darüber hinaus im Büro voran. Speziell für Dachdecker konzipierte Software für die Materialberechnung optimiert die Kalkulation von Baustoffen. Darüber hinaus setzt sich auch die rein digitale Bauaktenführung immer weiter durch. Viele dieser Softwaresysteme setzen auf die Cloud und sind somit auch mobil verfügbar. Gerade für Dachdecker ist dies hilfreich, denn dann stehen die Daten auch vor Ort beim Kunden zur Verfügung und Änderungen lassen sich direkt vornehmen. Es wird lediglich ein Laptop oder sogar nur ein Tablet auf der Baustelle benötigt. Somit ist die gesamte Bauplanung von der Bestandsaufnahme bis zur Rechnungsstellung digitalisiert, was Fehlerquellen mindert und die Zettelwirtschaft abschafft.
Etliche dieser eigenständigen Programme lassen sich in ein BIM-System (Building Information Modeling) einbinden oder können damit kommunizieren. Auf diesem Wege ist es möglich, branchenübergreifend Arbeitsprozesse zu koordinieren, beispielsweise zwischen Zimmerleuten und Dachdeckern. Außerdem besteht die Möglichkeit der gemeinsamen Materialbewirtschaftung, insbesondere dort, wo identische Baustoffe von mehreren Branchen eingesetzt werden.
Bedingt durch Wohnungsmangel: Dachgeschossausbau als Trend
In jüngerer Vergangenheit hat der Wohnungsmangel in den Städten zugenommen. Die dadurch entstandenen Mietsteigerungen haben dafür gesorgt, dass die Suche nach alternativem Wohnraum immer dringlicher wurde. Gleichzeitig sorgt dies auch dafür, dass Investitionen in den Aus- und Umbau bestehender Immobilien sinnvoll ist.
Eine solche Maßnahme, die immer öfter vollzogen wird, ist der Umbau von Häusern mit Flachdach auf ein Schrägdach. Auf diese Weise entsteht ein neues Dachgeschoss, das nutzbaren Wohnraum bereitstellt. Für Dachdecker in urbanen Bereichen kommen also vermehrt Aufgaben hinzu, bei denen es um das Eindecken neuer Konstruktionen auf bestehenden Bauwerken geht.
Dachdecker und neue Energien
Dass auf Hausdächern Solarpanele befestigt werden, ist für die Zunft der Dachdecker inzwischen gelebter Alltag. Allerdings steht die Entwicklung nicht still. So sind inzwischen Dachpfannen verfügbar, die selbst elektrische Energie aus Sonnenlicht erzeugen. Allerdings erfordern diese Solardachpfannen ein besonderes Verlegesystem und müssen individuell miteinander verbunden werden, damit eine komplexe Anlage entsteht. Für zukunftsorientierte Dachdeckerunternehmen ist es deshalb unverzichtbar, Fachmessen zu besuchen und an Schulungen teilzunehmen, damit diese technischen Innovationen auch fachgerecht installiert werden können.